Typo Berlin 2011 – Mein Rückblick, Tag 1

Gerade wieder zuhause angekommen, liegen ein paar spannende Tage auf der Designkonferenz Typo Berlin hinter mir. Mittlerweile war das meine fünfte Typo in Folge. Vor Ort bleibt wegen des dichten Programms kaum Zeit zum Luftholen, deshalb ist es für mich ganz gut das Erlebte hier nochmals zusammenfassen und reflektieren zu können. Dabei geht es mir nicht um eine Nacherzählung aller Inhalte (das findet man ohnehin besser hier), sondern um ausgewählte Eindrücken, die ich dieses Jahr für mich mitnehmen konnte.

Typo Berlin 2011 – Mein Rückblick, Tag 1

Christoph Keese – Tablets als Medium

Christoph Keese vom Axel Springer Verlag eröffnete die Typo Berlin 2011 und erzählte schwerpunktmäßig übers iPad und damit verbundene Veränderungen. Folgende Thesen für die nahe Zukunft (ich glaube es war für das Jahr 2020) fand ich dabei sehr spannend:

  1. 93 % aller deutschen Haushalte werden einen Breitbandanschluss haben.
  2. Drei bis vier Marktplätze (so wie Apples App-Store) werden sich durchgesetzt haben.
  3. Achtzig Prozent der Leute werden Internet übers Handy konsumieren.
  4. Zeitungen wird es noch immer geben (ein neues Medium hat noch nie ein altes komplett abgelöst).
  5. Free und Paid Content werden nebeneinander exisitieren.
  6. Tablets & Smartphones werden äußerst wichtig sein.
  7. Zugriff zu „meinem persönlichen Internet“ wird von jedem Ort und Gerät möglich sein.
  8. Journalismus wird sich nach Lesesituationen in denen er konsumiert wird richten (wie im Fahrstuhl oder Abends auf der Couch), nicht nach dem Medium in dem er publiziert wird.

Weitere interessante Aussagen seines Vortrages:

  • Der durchschnittliche Leser beschäftigt sich ca. 15 bis 20 Minuten am Tag mit einer Zeitung. Mit einer News-Website nur ein bis eineinhalb Minuten. Mit einer Zeitungs-App 15 Minuten am Tag.
  • Apps laden beiderseits zum ausgelassenen Lesen und zur schnellen Information zwischendurch ein.
  • Auch wenn beim Einführen von Bezahlinhalten die Leseranzahl auf nur drei Prozent zurück geht, ist das ein Erfolg. Denn: jetzt zahlen drei Prozent vorher waren es Null.

Roland Reuß – Im Studium abgeschifft? Konzentration in Zeiten der Ablenkung.

Roland Reuß
Roland Reuß, Foto: Alexander Blumhoff

Ein sehr kotroversieller Vortrag vom Universitätsdozenten Roland Reuß zum Erhalt des Buches als Medium des Wissenstransfers. Folgende Aussagen waren für mich besonders interssant:

  • Wenn sich die Gestaltung zwischen Leser und Autor stellt, erfüllt sie nicht ihren Zweck.
  • Bei einem Buch gibt es eine unmittelbarere, intimere Auseinandersetzung mit Inhalt, nicht mit dem Medium. Beim Lesen am Bildschirm schiebt sich immer etwas dazwischen, denn der Computer ist dafür da Ablenkung mit sich zu bringen.
  • Wenn alle typografisch Fehler machen, wird es bald zur Norm (wie falsche Apostroph oder das Fehlen von Gedankenstrichen). Diese Details sind aber wichtig, denn wenn man sich nicht um Details kümmert, kümmert man sich irgendwann um gar nichts mehr.
  • Das Buch ist kein Selbstzweck, es hat immer einen Aufgabe.

Zum Teil fand ich den Vortrag von Roland Reuß etwas überzeichnet. Doch (im Gegensatz zu einigen in Publikum) verstand ich seine Aussagen nicht als Plädoyer zur Verweigerung der digitalen Publikation. Es ging viel mehr darum, dass relevanter Inhalt weiterhin auch gedruckt und nicht nur als pdf irgendwo auf einem Server liegend, veröffentlicht wird und bei Bedarf ausgedruckt. Die Zugänglichkeit von Dateiformaten in 10, 20 Jahren ist dabei natürlich auch ein Thema.

Was es sonst noch gab

Der Vortrag We are the Medium von Oliver Reichenstein war ein fröhliches Intermezzo. Ein schönes Zitat zum Unterschied zwischen gestalteten und nicht gestalteten Dingen: „Design is putting thoughts into things“.

Der neuseeländische Type-Designer Kris Sowersby brachte mit Weine und Schilder frischen Wind mit viel Humor in den Abend, auch wenn ich aus seinem Vortrag jetzt nichts spezielles mitnehmen konnte.

Zum Abschluss zeigte Javier Mariscal sehr leidenschaftlich den dreijährigen Weg zum Animationsfilm Chico & Rita. Der Film wurde im Anschluss auch gezeigt. Leider trieb mich aber der Hunger in die Stadt und so werde ich ihn wohl erst irgendwann im Heimkino genießen.

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Haus der Kulturen der Welt, Foto: TYPOworkspace

Mein Fazit vom ersten Tag

Die Typo Berlin 2011 fing für mich sehr kopflastig an. Man konnte bereits Schwerpunkt in Richtung neue Medien (wie Mobile Devices & Tablets) und Theoriemodell zum Wandel der Gestaltungsaufgabe spüren. Die Design-Vorträge waren an diesem Tag eher etwas dünn und war ich am ersten Abend ein wenig enttäuscht. Dies sollte sich in den darauf folgenden beiden Tagen jedoch noch stark ändern.

Oliver
Ich bin Grafik- und Kommunikationsdesigner, arbeite selbständig und als Freelancer. Dabei gestalte ich Logos, Corporate Designs, Visitenkarten, Broschüren, Flyer und alles was so gestaltet werden will.

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