Freiraum

Überlegungen zur Wahrheit

Ich selbst kann von mir nicht behaupten immer und in allen Situationen ehrlich zu sein. Oft schiebe ich auch einige Halbwahrheiten oder Lügen vor, weil sie die Situation im Moment erleichtern. Der Zweck soll ja die Mittel heiligen, doch ist der Zweck betrügerischer oder schändlicher Absicht, heiligt er meiner Meinung nach gar nichts. Ich habe mir den Kopf darüber zerbrochen was es eigentlich ausmacht ehrlich zu sein und habe einen Satz daraus formuliert: Man ist ehrlich, wenn man seine Absichten Beteiligten oder der Sache gegenüber, offen und unverfälscht, so wie für einen selbst, darlegt.

Das hat mich zur Überlegung geführt warum man eigentlich die Wahrheit oft verbirgt:

  • Man möchte sicher gehen, dass etwas funktioniert, jemand einen versteht oder z.B. unangenehme Fragen umgehen und hält deshalb Informationen zurück oder verfälscht sie
  • Man schämt sich der Wahrheit
  • Man verspricht sich einen Vorteil daraus andere in Ungewissheit oder falschem Glauben zu lassen

In allen drei Fällen verbirgt man etwas aus verschiedenen Absichten, wobei die letzte, die manipulierende, wohl am verwerflichsten ist. Dabei nutzt man andere aus und schadet ihnen eventuell auch noch wissendlich.

Dann habe mich mir überlegt, welche die für mich wichtigsten Vorteile sind, die Wahrheit zu sprechen:

  • Man hat auf Dauer nichts zu fürchten oder zu verbergen
  • Bleibt authentisch – das eigene Verhalten ist nachvollziehbar
  • Schafft Vertrauen

Natürlich ist das alles sowieso jedem irgendwie bekannt. Aber wird es auch gelebt? Diese Frage stell ich mir nun selbst und möchte versuchen einen Tag lang nur die Wahrheit zu sprechen. Mal sehen, wie es mir dabei gehen wird…

3 Kommentare

  1. Haha, bin gespannt wie das ausgehen wird, den ganzen Tag nur die Wahrheit sprechen 😀

    Für mich sind die Vorteile, die du genannt hast, immer wieder der Grund, weshalb ich grundsätzlich meistens probiere ehrlich zu sein. Es kann einen auch einfach sympathisch rüberkommen lassen. Natürlich ist es nicht immer so, dass man mit einer Person auf einer Wellenlänge ist, und trotzdem mit dieser auskommen muss. Dann greift man schnell zu Lüge, damit die Kommunikation problemlos über die Bühne geht…

    “Man ist ehrlich, wenn man seine Absichten Beteiligten oder der Sache gegenüber, offen und unverfälscht, so wie für einen selbst, darlegt.”
    Hm… Man kann sich natürlich auch selbst belügen, etwas verdrängen, schönreden, damit es einen nicht belastet… Für mich persönlich ist das aber auf Dauer nie die richtige Lösung, ich überdenke das dann ja sowieso wieder. Was ich aber sagen will: Die eigene Wahrheit ist auch nicht immer die reale Wahrheit. Aber das weisst du sicher eh 😉

  2. Dass die persönliche Wahrheit nicht immer die reale Wahrheit ist, stimmt sicherlich. Aber Warheit hat in der Hinsicht nicht mit Ehrlichkeit zu tun. Auch wenn man so gesehen lügen würde, wenn die reale Wahrheit vom persönlichen Glaube abweicht, meint man es dennoch ehrlich von sich selbst heraus.

    Könnten fast schon mit dem kategorischen Imperativ von Kant anfangen… Philosophieunterricht lässt grüßen 😉 Aber gute Anmerkung!

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