Gedanken

Haben wir alle verloren?

Das Ende der Intimität

Wenn nur eine einzige Person ohne triftigen Grund Ihrer Rechte beraubt wird, hat bereits die gesamte Gesellschaft verloren. Denn dann ist eine Grenze überschritten, eine Hemmschwelle überwunden, die es möglich macht, dass wir uns langfristig in eine kontrollierte, intolerante und unflexible Gesellschaft verwandeln. Das alles funktioniert gut mit dem Argument des Kampfes gegen den Terror oder, dass es doch für die eigenen Sicherheit sei. Vergessen dürfen wir aber nicht, was wir langfristig dabei verlieren. Es wird nicht mehr der Dialog zum Lösen von Probleme betrieben, es wir einfach kontrolliert und genormt und wer sich nicht anpasst, wird geahndet. Und ist es das wirklich wert? Werden mit Überwachungsmethoden wirklich so viele Terroristen und andere populistischen Sündenböcke entlarvt? Den Nationalratsbeschluss vom letztem Freitag hat Eixi auf jeden Fall gut zusammengefasst:

Jetzt ist’s also beschlossen: Österreichs Regierung senkt die Menschenrechte auf das Niveau von China, Singapur, Kuba und anderen Quasi-Diktaturen, indem jetzt sogar ohne richterlichen Beschluss die Telefon- und Internet-Verbindungsdaten jedes Bürger in “konkreten Gefahrensituationen” ausgespitzelt werden dürfen. Durch “Vorratsdatenspeicherung” werden dann im nächsten Schritt auch E-Mails aufbewahrt und im Falle des (wirtschaftlichen / politischen / industriespionagerelevanten… ?) Falles ausgewertet.

Um ARGE Daten bei seiner Aktion Nein zu Überwachung in Österreich, bei der man Politikern seine Meinung schreiben kann, zu unterstützen, habe ich den Banner rechts oben platziert. Er ist ebenfalls von Eixi gestaltet und kann hier heruntergeladen werden, um ihn auf der eigenen Webseite einzusetzen.

Victor Mayer Schönberger

Da das Thema anscheinend nicht wirklich von den traditionellen Medien aufgegriffen wird, ist es an der Zeit etwas zu unternehmen. Einen Einblick in die neue Privatsphäre sieht man gut in der die letzen Ereignisse zusammenfassenden Dokumentation Das Ende der Intimität von Günther Kaindlsdorfer.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch auf das Plugin Track Me Not für Firefox hinweisen, das es für Google unmöglich macht über die gespeicherten Daten meiner Suchabfragen ein Benutzerprofil zu erstellen. Denn was mit diesen Informationen passiert, ist auch ungewiss.

Die Entscheidung, ob wir schon alle verloren haben, liegt eigentlich bei uns. Schreibt Österreichs Politikern und wartet nicht darauf, dass es andere tun. Man muss dabei nicht selbst den Text verfassen, man hat die Möglichkeit ihn zu ergänzen und kann anwählen, an wen er geschickt werde soll. Wenn wir uns jetzt nicht selbst wehren, haben wir unsere Chance verpasst, denn später werden die weiteren Schritte für eine nochmals genauere Überwachung immer leichter werden.

9 Comments

  1. plugin ist bereits installiert. angesichts des gerüchtes dass die beiden oligarchen abramowitsch und deripaska google kaufen wollen kommen bei mir viele fragen auf. auch wenn die meldung nur eine ente ist, aber was passiert wenn…

  2. Ich bin da am Ausprobieren von TOR, das durch die Verwendung mehrerer Computer im Web als Proxies ein recht anonymes Surfen ermöglicht. Das funktioniert dann wie in einem Actionfilm, wo der Bösewicht (in unserem Fall der Gutmensch) über mehrere Zwischenpunkte auf der ganzen Welt nicht geordetet werden kann :o)
    Im Unterschied zu anderen Anonymisierungsdiensten kostenlos, unkompliziert und unkontrolliert.

  3. Das ist echt das Letzte; und leider nur eine von mehreren fragwürdigen Entwicklungen in diesem Land. Man schaue sich nur mal unsere derzeitige Abschiebungspolititk an, die aktuelle Lösung für den Pflegenotstand oder die verhinderte Schulreform. In was für einem Land leben wir eigentlich?

  4. Ich sehe, ihr habt in Österreich ähnliche Probleme wie wir in Deutschland. Bald dürfen wir uns nicht mal mehr selbst anziehen. Nur eine frage der Zeit bis zum Überwachungsstaat.

  5. @Jürgen: schön, dass es auch hier solche Software gibt. Ich glaub nur so kann man sich wirklich Wehren und die Idee verbreiten, dass es eben nicht egal ist, was mit den eigenen Daten passiert.

    @Huckleberry: Alles Probleme, die man mit Dialog lösen könnte, solange der stattfindet oder eben auch nicht.

    @waximal: Wie es die Dokumentation „Das Ende der Intimität“ schon sagt, ein Überwachungsstaat wäre bereits jetzt möglich. Wir sollten’s ihm nicht noch leichter machen.

  6. Ist eh schon schlimm, was in Deutschland gerade abgeht, aber natürlich müssen unsere Politiker das alles nachmachen…

    Ich hab mir auch mal die Schleife aufn Blog plaziert.

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