Decentralize Camp Düsseldorf

Für mich hatte der Begriff „Decentralize“ bisher keine sonderliche Relevanz, eigentlich war mir unbekannt was sich dahinter verbirgt. Bis vor zwei Wochen, als am 21. Mai 2014 beim Decentralize Camp in Düsseldorf diesem Thema eine ganze Veranstaltung mit Vorträgen und Sessions gewidmet wurde. Fast alles daran war für mich als Designer neu aber dennoch nicht fremd oder schwer nachzuvollziehen. Hier ein paar unzusammenhängende Erkenntnisse, die ich mitgenommen habe.

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Leben ohne Smartphone – ein Selbstversuch

Mit dem Handy immer und überall online sein zu können ist oft sein Segen, doch nach ein paar Jahren ist dieser Luxus bei mir zum Automatismus geworden. Die anfängliche Freiheit beginnt mich in meiner Flexibilität einzuschränken und ich habe das Gefühl hier mein Verhalten nicht mehr bewusst zu kontrollieren. Also habe ich mich vor einer Woche entschlossen mobiles Internet auf meinem iPhone zu deaktivieren. Warum und was ich mir davon erhoffe möchte ich hier teilen.

Das Problem

Als ich vor einem Jahr in Indien und Neuseeland unterwegs war, bemerkte ich erstmals schlechten Anzeichen. Ich genoss unsere wunderbare Reise, doch ab dem Zeitpunkt wo WLAN in der Nähe sein könnte, wurde ich nervös und versuchte krampfhaft mit meinem iPhone in irgendwelche Netzwerke reinzukommen. War ich dann online sah ich irgendwelche belanglosen Dinge nach (ich war noch nie so oft auf Facebook wie damals). Und dabei gab es selten einen wirklichen Grund online zu gehen, ich musste es einfach sein, wenn ich es konnte. Fast, als wäre Internetzugang ein Grundbedürfnis wie sauberes Wasser.

Ich musste einfach online sein, wenn ich es konnte. Fast, als wäre Internetzugang ein Grundbedürfnis wie sauberes Wasser.

Nun verbrachte ich letzte Woche in Hamburg, wo ich ähnlich online sein musste, wenn es WLAN gab, anstatt die Stadt und das neue Umfeld voll bewusst zu erkunden. Das war der Punkt wo ich gemerkt habe, dass dieses Verhalten schon begonnen hat mich zu kontrollieren und ich es nicht mehr bewusst einsetze. Wieder zurück in Österreich setze ich mich nun seit einer Woche selbst auf kalten Entzug von mobilem Internet.

Was bedeutet kein mobiles Internet?

Kein Internet auf dem Handy unterwegs zu nutzen bedeutet für mich und meinen Alltag konkret:

  • Kein Surfen und Googlen.
  • Keine E-Mails checken.
  • Keine E-Books, RSS-Feeds und kein Instapaper lesen.
  • Keine Musik oder Podcasts streamen und kein Ö1 nachhören.
  • Keine Videos, Serien oder TV-Beiträge schauen.
  • Kein Social Media – in meinem Fall Instagram, Twitter oder Fourquare (von Facebook habe ich mich schon seit ein paar Monaten verabschiedet).

Unterm Strich bedeutet das: mein Smartphone wird zum Phone und ich vielleicht dadurch etwas smarter.

Warum

Bei meinem Selbstversuch geht es mir keineswegs darum dem Internet loszusagen und asketisch zu leben. Ich möchte durch den Verzicht lernen den Zugang zu mobilem Internet wieder zu schätzen und bewusst zu nutzen. Gleichzeitig möchte ich mir auch Freiräume gestatten, um Situationen, in denen ich nicht online sein muss, auch genießen zu können.

Ich möchte wieder im Moment leben können

Ständig habe ich das Gefühl irgendetwas zu verpassen und nachschauen zu müssen. Beim Warten auf Etwas, im Kaffeehaus, bei kurzen Unterbrechungen eines Gesprächs, während des Essens, wenn ich im Bett nicht gleich einschlafe – eigentlich in jeder freien Sekunde. Sofort wird das Smartphone gezückt, jeder Moment muss genutzt werden. Es ist ein schleichendes Gefühl des Gehetztseins und das schlechte Gewissen, wenn ich dem Dran tätig zu sein nicht nachgebe.

Wenn ich aber ehrlich bin verpasse ich ständig Etwas, ich kann ja nicht alles erleben. Und das muss ich lernen zu akzeptieren. Was ich nämlich vor allem verpasse sind Momente der Ruhe. Durch die Möglichkeit und den Drang immer etwas tun zu müssen beraube ich mich der Möglichkeit loszulassen und auch langweilen zu dürfen. Die kostbare Langeweile schafft Raum für Neues. Nach der Anspannung folgt die Entspannung. Das möchte ich wieder zulassen.

Ich möchte schadhafte Verhaltensmuster ablegen

Das regelmäßige Nachschauen von irgendetwas am Smartphone ist ein Verhaltensmuster, das sich in den letzten Jahren eingeprägt hat und von mir nur noch unhinterfragt ausgeführt wird. Ich schaue aufs Smartphone um aufs Smartphone zu schauen. Selten gibt es einen wichtigen Grund etwas herausfinden zu müssen, was ich nicht auch später am Laptop checken könnte. Es ist mittlerweile eine Selbstbeschäftigung, die ungefähr so abläuft: Was gibt es denn Neues? Wow, andere machen so tolle Projekte und ich schau nur auf mein Handy. Was könnte ich als nächstes nachschauen?

Dadurch werde ich langsam von jemanden, der Dinge aus einer inneren Motivation heraus macht zu jemand, der sich nur Reize von Außen holt, die eher lähmen als inspirieren. Denn nach dem Blick aufs iPhone bin ich meistens nur unzufriedener und unruhiger. Ich merke wie mir dieses Verhalten schadet, deshalb möchte ich es ablegen.

Ich möchte meine Scheuklappen ablegen

Das Bild des ferngesteuerten, mit Kopfhörern bestückten, ins Smartphone starrenden Menschen, der seine beiden wichtigsten Sinne der Umwelt nicht mehr zur Verfügung stellt, ist ja schon ganz normal in öffentlichen Verkehrsmitteln. Und das finde ich für mich selbst schade. Ich möchte mich auf meine Umwelt einlassen und die Welt wieder mehr in mich hineinlassen.

Die erste Woche

Die erste Woche habe ich gemischt wahrgenommen. Der Drang immer etwas konsumieren und die Zeit „nutzen“ zu müssen, steckt tief in mir. Das Verzichten in der U-Bahn ging halbwegs, da fahre ich nämlich nicht so lange. Schwieriger ist es bei der Bahn. Die zwanzigminütige Strecke und Wartezeit verlocken sehr, wieder online zu gehen und schnell etwas nachzuschauen, einen Artikel zu lesen oder ein Video zu sehen. Auch der Fußweg zum oder vom Bahnhof locken einen Podcast oder Radio zu hören.

Einmal habe ich geschummelt, um unterwegs eine Telefonnummer zu googeln, sonst aber habe ich es geschafft das Handy nur zum Telefonieren selbst zu verwenden. Im Bureau oder zuhause habe ich mir den Freiraum gelassen das Handy mit WLAN zu verwenden, denn mache Apps zu nutzen (wie das Wetter) ist doch praktischer als den Laptop herzuholen. Ein positiver Nebeneffekt bisher: ich muss mein iPhone anstatt jeden Abend nur noch alle zwei Tage aufladen.

Dieser Selbstversuch fordert meine Konsequenz und ich bin neugierig, wie es mir in ein paar Wochen damit geht. Was ich aber jetzt schon feststellen kann: es fühlt sich trotz allem doch erleichternd an zu verzichten.

2013 – ein unglaubliches Jahr geht zu Ende

Ich schätze die kostbaren Momente zwischen den Jahren immer sehr. Sie geben mir die Gelegenheit Rückschau zu halten, zu schätzen und zu verarbeiten, was alles passiert ist. Und dieses Jahr war besonders aufregend.

In drei Monaten um die Welt

Genau vor einem Jahr war ich damit beschäftigt mit allem abzuschließen um mich auf unsere große Reise vorzubereiten. Von Anfang Jänner bis Ende März waren wir zwölf Wochen lang unterwegs. Erste Station war Indien für einen Monat. Dort durfte ich mich in Gelassenheit üben, staunte über die anderen Sitten und Gebräuche und überwand meine Komfortzone. Nach ein paar Tagen in Bangkok ging es nach Neuseeland, wo wir  über vier Wochen mit dem Campervan durch beide Inseln tourten. Nach Indien ein unglaublicher Kontrast mit faszinierenden, fast unecht wirkenden Landschaften. Bevor es wieder nach Hause ging bot Sydney einen schönen Abschluss. Diese Reise war eine unglaubliche Erfahrung von der ich noch lange zehren werde. Außerdem war sie Birgits und meine Hochzeitsreise vor der Hochzeit, dem zweiten großen Ereignis dieses Jahr.

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Ja!

Wir hatten großes Glück mit Elisabeth und Sonja als die perfekten Trauzeuginnen und Michael als unseren Zeremonienmeister. Welche Herausforderung dies für Michael bedeutet hat kann man hier lesen. So haben wir selbst kaum Stress oder Hektik im Vorfeld und auf unserer Hochzeit gar nicht erlebt. Bei den Hochzeitseinladungen konnte ich mich austoben und wollte etwas gestalten, was nicht nur auf Drucksorten bezogen war. So war der Hauptteil der Einladung ein Film in drei Episoden, deren jeweilige Teile mit einer wunderschönen Letterpress Karte per Post angekündigt wurden.

Hochzeitszeremonie

Lernen durch lehren

2013 wollte ich mich vertieft mit HTML und CSS beschäftigen um wieder mehr Einfluss über das Frontenddesign zu erhalten und so besser gestalten zu können. Vor allem aber wollte ich einfacher mit meinen Programmierern zusammenarbeiten, wenn es um Responsive Webdesign geht. So habe ich mich sehr gefreut, als mir das Schicksal die Gelegenheit zugespielt hat Webdesign an der Graphischen in Wien zu lehren. An einem Maitag erhielt ich aus dem Nichts einen Anruf vom Abteilungsvorstand – es habe mich jemand, der mich aus dem Internet kenne empfohlen. Nun bin ich seit fast einem Semester dabei und mir wurde der Anlass geboten mich mit Webdesign so detaillierter auseinander zu setzen, wie ich es sonst nicht getan hätte. Erst jetzt wo ich anderen HTML und CSS beibringen muss, habe ich das Gefühl, dass ich es erst wirklich lerne.

Abschiede

Ich war im ersten Viertel des Jahres in der Ferne, meine Kollegin und Trauzeugin Elisabeth ist es im Moment. Seit Mitte September ist sie in Nicaragua, um dort ein lang ersehntes Projekt zu realisieren: the creative fillip. Der Abschied war schwer und in unserem Gemeinschaftsbüro ist es etwas einsam gewesen, wenn mein Kollege Lukas wochenweise in London war. Zum Glück aber dauert es nur noch ein paar Tage, bis Elisabeth wieder zurück sein wird.

 

Ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende – für drei Monate bin ich ausgestiegen, wieder eingestiegen, habe geheiratet und zu unterrichten begonnen. Vieles ist geschehen, viele Erfahrungen wurden gemacht. Genug, um die nächsten Tage in Ruhe zu genießen und mich zu freuen, welche Überraschungen und Herausforderungen 2014 bereit hält. Denn auch zur Ausrichtung für die Zukunft sind diese Tage gut.

Jeffrey Zeldman: Warum Designer Worte und nicht Pixel gestalten sollten

Jeffrey Zeldman

Vor ein paar Wochen bin ich auf den Podcast Dorm Room Tycoon gestoßen. In einer der letzten Episoden spricht Jeffrey Zeldman (u.a. Verleger von A List Apart) darüber warum Designer schreiben müssen. Er erzählt über wirkungsvolle Details in Formulierungen, die Suche nach den richtigen Kunden und warum Gestalter im Webdesign ohne echten Inhalten nur dekorieren.

Jeffrey Zeldman
© Jeffrey Zeldman

Angesprochen auf das Thema Content First erzählt Zeldman, dass Services wie Readability und Instapaper ein Problem lösen, das so gar nicht da sein dürfte. Man sollte bei einer Website nicht das Bedürfnis bekommen sie auf das die wesentlichen Inhalte reduzieren zu müssen.

“The job of an interaction designer is getting the user to the right content at the right time. So it’s content and context. I’m not here to decorate, […] I’m also not here to make great wireframes. I’m here to make sure that a person can interact with the content they came for with minimum distraction.”

Wenn Designer nicht aufmerksamer nach den Bedürfnissen der User gestalten werden sie sich selbst abschaffen. Denn dann werden die User ihren Content einfach anders konsumieren. Doch was ist die Aufgabe des Designers, wenn der Inhalt in den Vordergrund gestellt wird? Brauch man dann Designer im klassischen Sinn überhaupt dann noch?

“Designs skills are on a much subtler level. Design is needed, you need to know how people read and how type works. […] How can you make it beautiful an readable, how can you encourage readability? […] How can you as a designer seduce, engage, bring people in that much more? And it turns out that you do it with type and a little bit color and a little bit of picture. And that’s what design and art direction have always been about. […] We are getting away from reducing the designer to people who make templates.”

Gegen Ende des Podcasts gibt Jeffrey Zeldman es noch einige wertvolle Ratschläge: Design ist ein Business in dem man mit Menschen umgehen, Ideen ausdrücken und verkaufen können muss. Und Schreiben hilft dabei. So hat Zeldman gelernt sich auszudrücken und schlüssige Gedanken zu formulieren: “If I don’t write I don’t know what I think.”

Zur Episode im Dorm Room Tycoon Podcast

Die Schattenseiten des neuen MacBook Pro Retina 2013

Nach über sechs Jahren brauche ich einen neuen Laptop und werde wieder Apple wählen. Doch die Hintergründe des neuen MacBook Pro Retina 2013 lassen mich diese Entscheidung nicht aus Überzeugung sondern eher als Kompromiss treffen. Denn das MacBook Pro Retina kann weder im Nachhinein upgegradet noch selbst repariert werden. Hier schreibe ich warum ich diese Entwicklungen für bedenklich halte aber diesmal trotzdem noch mitspiele.

Mein altes MacBook Pro und ich

Im Sommer 2007 bin ich zu Apple gewechselt (als Designer wurde ich quasi zwangsbekehrt). Damals schloss ich gerade mein zweites Jahr an der Uni ab und kaufte mir mit meinem hart erarbeiten Geld ein funkelndes MacBook Pro. Der Abschied von meinem Windows Standcomputer fiel leicht und mein neuer Mac erwies gute Dienste. Zweimal musste er zwar in den Service, doch dies war durch die Garantie gedeckt.

MacBook Pro Mid 2007

Als die Leistung etwas nachließ rüstete ich mit 4 GB RAM und einer 750 GB Festplatte auf, den Akku tauschte ich zweimal. Nach vier Jahren dann waren aber diese Maßnahmen auch nicht mehr ausreichend für ein flüssiges Arbeiten und ich brauchte einfach ein schnelleres Gerät. Mittlerweile hatte ich ein Büro in Wien und kaufte mir einen iMac, da ich das Schleppen satt hatte, dieser für die selbe Leistung wesentlich günstiger war und der 27″-Monitor überzeugte. Das gute MacBook Pro wurde somit zum Heimcomputer für Musik und Unterhaltung, selten zum elendslangsamen Arbeiten.

Nun unterrichte ich seit September Webdesign an der Graphischen und brauche wieder mein altes MacBook Pro. Die fast sechseinhalb Jahre merkt man ihm an: schwache Akkulaufzeit, längere Phasen der Semmel des Todes und überraschende Systemabstürze häufen sich. Es muss also ein Neues her: ein MacBook Pro Retina.

Keine Aufrüsten mehr im Nachhinein

Mein altes MacBook Pro konnte ich selbst upgraden. Der Akku war von außen wechselbar und der RAM-Tausch ist von Apple offiziell beschrieben und einfach möglich gewesen. Der Festplattentausch war dank Anleitungen auf iFixit und Youtube ebenfalls kein Hindernis. So konnte ich mein Gerät länger verwenden.

Ich werde mein MacBook Pro Retina nicht mehr aufrüsten können. Die RAM sind verlötet, der Flash-Speicher ist ein eigenes Format und Fabrikat zu dem es momentan am Markt noch gar keine Alternativen gibt und vielleicht auch nur wenige geben wird. Vor allem das ist hart, denn hier kostet 1 TB bei meiner Konfiguration eines 15″ Modells € 500 extra. Ich muss mein MacBook Pro Retina aber gleich jetzt so ausstatten, wie es für die nächsten Jahre sein soll und 500 GB Speicher sind da ziemlich wenig. In dem Fall bleibt mir keine Wahl.

Teure Reparaturen, selber reparieren fast unmöglich

Nun kann man sagen wozu sollte ich das Ding überhaupt reparieren müssen? Einfach um € 350 mit Apple Care die Garantie auf drei Jahre verlängern und schon ist das Problem gelöst. Doch was ist, wenn man das nicht möchte oder die drei Jahre um sind? Dann muss ich das Gerät vielleicht wegschmeißen wegen einer kleinen Abnutzungserscheinung. Wenn z.B. eine Taste kaputt ist muss die Tastatur samt oberer Hülle, dem Trackpad und dem verklebten Akku als ein Bauteil ausgetauscht werden. Wenn die Kopfhörerbuchse nach häufigem Gebrauch defekt ist muss gleich das ganze Logicboard samt RAM ausgetauscht werden, da alles miteinander verlötet ist. Solche Reparaturen sind teuer.

Gibt der Akku seinen Geist auf ist der eigene Austausch extrem schwierig, da er mit der Hülle fest verklebte ist. Beim mühseligen Herauslösen kann außerdem das Kabel des Trackpads leicht beschädigt werden. Aus all diesen Gründen hat iFixit dem neuen MacBook Pro Retina mit 1/10 das schlechteste Repairability-Rating ausgestellt. Eine kaum nachhaltige Konstruktion, die auch für Apple selbst beim Reparieren im Garantiefall kostspielig sein muss. Aber das ist anscheinend der Preis für immer leichtere, dünnere und früher zu ersetzende Notenbooks.

Wenig nachhaltige Planung und Greenwashing

Jetzt kann man auch sagen: „Natürlich wird das Ding so gebaut, dass es immer schneller langsam und kaputt wird (siehe iPhone und iPad). Weg mit dem Alten und ein Neues kaufen.“ Selbst wenn ich mich darauf einlasse, Recycling wird verdammt schwierig bei einem so komplexen Gerät, vor allem wenn der Akku verklebt ist und man ihn somit nicht mehr sicher von der Hülle trennen kann. Dadurch werden wir in ein paar Jahren noch mehr Äpfel am Sondermüll haben. Dass das MacBook Pro Retina trotz all dem Gold beim EPEAT, dem beliebtesten Umwelt-Rating für grüne Elektronik, bekommen hat ist eine Farce und plumpes Greenwashing, wie hier bei Wired gut nachzulesen ist.

Warum ich trotzdem mitspiele

Am meisten ärgert es mich, dass ich all das weiß aber immer noch nicht das Apple-Universum verlassen möchte. Ich bin verwöhnt vom Komfort und der Einfachheit des Betriebsystems, der gut abgestimmten Software wie iTunes, iLife und iWork, der Ästhetik der Geräte und dem tollen Zusammenspiel mit meinem iPhone und iPad. Wegen all dem schätze ich Apple und möchte noch nicht zurück zu Windows.

Es werden Alternativen kommen mit technischen sowie sozial nachhaltigen Hintergründen, ebenfalls ästhetisch ansprechend. Und dann bin ich dort.

Ich bin aber keineswegs ein blinder Fanboy, der Apple kauft weil es ja so cool ist. Ich merke, dass die Unterschiede zwischen den Betriebsystemen geringer werden und es mehr auf die Software ankommt mit der ich täglich arbeite. Und dank Adobe Creative Cloud ist die gekaufte Lizenz nicht mehr an Windows oder Mac OS gebunden. Apple treibt es mit dem Bevormunden und der offensichtlich geplanten Obsoleszenz langsam zu weit. Ich bin wachsam und es fehlt nicht mehr viel wieder die Seiten zu wechseln. Und ich bin nicht der Einzige. Es werden Alternativen kommen mit technischen sowie sozial nachhaltigen Hintergründen, ebenfalls ästhetisch ansprechend. Und dann bin ich dort.

Ich entscheide mich bewusst nochmal mitzumachen, ich freue mich auch darauf ein neues Gerät zu bekommen. Es wird wieder schön verpackt sein, sich toll anfühlen, meine Alltag erleichtern und sehr gut funktionieren. Doch so unbefangen wie bei meinem ersten Apple werde ich nicht mehr sein, der bittere Beigeschmack wird bleiben.

Webdesigner: Keine Angst vor Content

Für eine Session am UX-Camp Vienna letzten Samstag habe ich diesen Vortrag vorbereitet. Schon länger beschäftigt mich das Thema Content First, denn ich halte es für mehr als ein aktuelles Buzzword der Webdesigner-Welt. Ich wollte den Rahmen nutzen um meine Erkenntnisse zu teilen und von den Erfahrungen anderer zu lernen.

Oliver Schöndorfer in der Session „Keine Angst vor Content“ am UX Camp Vienna 2013 – Foto: Brigitte Alice Radl

Foto: Brigitte Alice Radl

Warum mir das Thema wichtig ist

Kurz gesagt weil ich dadurch besser und nachhaltiger arbeite. Am Anfang sah ich meine Aufgabe als Designer darin etwas zu verschönern. Ich mache ein tolles Layout mit ein paar Templates und irgendwelche Inhalte landen am Ende in diesem Layout. Schon vor längerer Zeit habe ich ein ernüchterndes Gefühl erlebt. Nämlich dann, wenn ich bemerkt habe, dass sich der Content nicht wirklich mit dem Design verschränkt. Das ganze schöne Design, das ganze Planen für ein mittelmäßiges Endprodukt. Und dafür ist nicht der Kunde als Content Creator alleine verantwortlich, ich bin es ebenso. Denn mein Prozess sollte es zulassen, dass wir uns auf einander abstimmen können.

Warum überhaupt Content first?

Die Zeiten der exzessiven Effekthascherei, wie es damals unter Flash beliebt war, sind vorbei (oder fast). Mit Responsive Webdesign bezieht sich das Internet noch deutlicher auf seinen inhaltlichen Kern und das ist meistens Text. Natürlich können es auch Bilder, Videos, Audio, etc. sein, doch Text ist das dominante Medium im Web.

Design als Rettungsreifen

Der User lässt sich nicht mehr so leicht blenden. Auf Smartphones mit wenig Platz am Bildschirm bleibt das Wesentliche. Und das muss gut sein, schickes Design kann hier (und auch sonst) nicht „retten“. Es gibt weniger Geduld und weniger Toleranz für unnütze Dekoration, Werbeblöcke und Ablenkungen, die nicht das unterstützen wofür die Besucher da sind. Vielleicht hat es mit der Emanzipation des Internets zu tun? Es geht nicht mehr darum einfach Inhalte von Printmedien irgendwie auf den Bildschirm zu bringen, sondern sie mediengerecht für die Bedürfnisse der User anzupassen, den User dort abzohlen wo er ist.

“I want to connect my website with this audience […] so they need to see the things that allow that to happen. And without understanding the content our designs are just guesses.”

Die Rolle des Designers

Die gute Nachricht: ich erfahre tendenziell, dass Kunden professionelle Gestaltung immer wichtiger wird. Die schlechte Nachricht: Viele Kunden glauben mit gutem Design schlechten Inhalt „retten“ zu können. Ich selbst sehe mich als Designer nicht als jemand der Dinge aufhübscht. Ich möchte Kundinnen und Kunden beraten, Inhalten die passende Form verleihen und dadurch nachhaltige Lösungen schaffen.

“Content precedes design. Design in the absence of content is not design, it’s decoration.”

Natürlich kann eine inhaltlich gute Idee ihre Wurzeln auch in der Gestaltung haben, doch eine reine Design-First Herangehensweise kann gefährlich sein. Wir bewegen uns als Gestalter dann in die Richtung der Template-Designer. Wir schaffen leere Gefäße die im schlimmsten Fall mit unpassenden Inhalten gefüllt werden.

Designer loves Content?

Dann sollten wir doch als Designer alle Content lieben? In einer idealen Welt werden wir so nämlich vom Kern der Sache inspiriert. Unser Design wird besser und nachhaltiger und macht schlussendlich das, wofür es eigentlich gedacht ist: Inhalte formal unterstützen.

Designer loves Content

Drei Ausreden

Und dennoch: Ich habe das Gefühl, dass Webdesignern es eher vermeiden wollen wirklich viel mit den Inhalten zu tun zu haben. Ich nehme mich hier selbst nicht aus, denn es bedeutet Aufwand sich damit auseinander zu setzen, vor allem, wenn man Inhaltserstellung nicht als seine Kernkompetenz sieht. Dann folgen Ausflüchte:

1. Es ist mühsam

In erster Linie wirkt es mühsamer sich mit echten Inhalten zu beschäftigen wenn man einfach Lorem ipsum und ein schönes Stockfoto ins Layout knallen kann. Was aber noch viel mühsamer ist, ist nachher die Fehler des Layouts ausbessern zu müssen, weil man merkt, dass Inhalt und Form nicht zusammen passen. So gesehen ist Lorem ipsum nur eine Zeitbombe. Das Auseinandersetzen mit dem Content erleichtert vieles, spart Zeit und Geld. Der Inhalt weist den Weg und zeigt was möglich sein kann. Schlussendlich ist es einfach Teil des Jobs sich damit auseinander zu setzen (siehe nächster Punkt).

2. Es ist nicht meine Aufgabe

„Wozu gibt es denn Texter oder Redakteure?“ – Das stimmt natürlich und ab einem gewissen Grad ist der Inhalt auch nicht die Aufgabe des Designers. Doch der Designer sollte den Inhalt verstehen, seine Struktur, seine Funktion, wofür er geschrieben ist. Mindestens auf dieser Meta-Ebene ist der Einfluss des Designers oder der Designerin notwendig. Um ehrlich zu sein – man braucht diese Informationen ja auch um sinnvoll gestalten zu können. Auch wenn es Redakteure und Texter für das Erstellen der eigentlichen Texte gibt, muss man mit ihnen reden, fragen was sie brauchen, welche Arten von Inhalt sie unterbringen wollen. Das ist Aufgabe des Designers.

3. Der Inhalt ist schlecht

Dieser Grund lässt mich auch jetzt noch am meisten zurückschrecken. Ich sehe Content als einen Teil des Prozesses, möchte das Design dessen Bedürfnissen anpassen und dann merke ich, dass die Inhalte einfach grottenschlecht sind. Was mache ich dann? Schweigen? Es hinnehmen? Und am Ende kommt eine miese Website heraus? Im schlimmsten Fall werde ich gefragt, warum ich das nicht schon vorher angemerkt habe.

Es ist eigentlich nicht die Angst davor, dass der Inhalt schlecht sein könnte, sonder eher meine Unsicherheit wie ich darauf reagieren soll. Wie kann ich Hilfestellung (auch über Dritte) bieten, dass der Content qualitativ hochwertig wird? Wie kann ich Kunden dabei unterstützen? Und wie kann ich sie überzeugen, dass guter Inhalt Geld und Ressourcen benötigt?

Fünf Erfahrungen

1. Content in den Prozess integrieren

Als Designer muss ich auf das Thema und dessen Stellenwert aufmerksam machen. Und zwar schon ganz am Anfang des Projektes. So kann die Inhaltserstellung eingeplant werden und man sich auf dem Weg abstimmen.

2. Mitspracherecht einfordern

Mit einem Blick von außen sehen wir als Designer oft Unschlüssigkeiten in Struktur und Inhalt, die der Kunde gar nicht mehr hinterfragt. Hier sollten wir Mitspracherecht einfordern um Dinge gemeinsam optimieren zu können. In einer Beraterposition ist dies durchaus möglich. Doch Vorsicht: irgendwo muss man auch seine Grenzen setzen, sonst kann es damit enden, dass man mehr mit den konkreten Texten zu tun hat, als man eigentlich möchte.

3. Früh im Browser arbeiten

Dem Kunden hilft eine Möglichkeit seinen Content irgendwo lebendig und in Aktion zu sehen. Niemand ist motiviert wenn man eine Website als Trockentraining komplett in Word schreibt, vor allem nicht, wenn es eine sehr umfangreiche Seite ist. Wenn man schon früh ein CMS aufsetzt und der Kunde hier hineinarbeiten kann, können Designer, Developer und Kunde gemeinsam arbeiten. Und das auch schon bevor das Design fixfertig ist.

4. Contenterstellung muss im Alltag tragbar sein

Der Kunde muss bewusst Ressourcen haben die Inhaltserstellung im Alltag und in seine Prozesse zu integrieren. Es hat wenig Sinn ein Konzept zu erstellen, dass jede Woche neue Inhalte vorsieht, wenn dies nicht für den Kunden umsetzbar ist (auch wenn er es sich vielleicht wünscht). Blogs sind z.B. ein großartiges Kommunikationsmedium, doch ist dem Kunden bewusst, dass er dafür mindestens drei Stunden Zeit pro Woche investieren muss? Denn ein leeres Blog ist nur peinlich.

5. Finetuing einplanen

Eine Phase gemeinsamer Optimierung von Inhalt, Design und Code zwischen Kunde, Designer und Developer ist immer sinnvoll. Von der Illusion des plötzlich fertigen Kunstwerks muss man sich verabschieden. Man kann nur gute Ergebnisse liefern, wenn man sich die Möglichkeit offen lässt zu erkennen wie alles im Zusammenspiel funktioniert. Und das vor dem geplanten Launch-Termin.

The Atomic Piece of Content

Steve Fisher beginnt die Zusammenarbeit mit seinen Kunden inhaltsbasiert. Zuerst macht es sich mit den bestehenden Inhalten vertraut (Content inventory). Dann hält er mit den Kunden einen Workshop, der auch über mehrere Tage gehen kann. Er verfolgt dabei diesen Prozess:

  1. Content Audit and Analysis – Gemeinsames Bewerten und Analysieren des vorhanden Inhalts der Website.
  2. Definieren der UX-Vision und Ziele des Projekts – dies schafft die Grundlage auf der zukünftige Entscheidungen beurteilt werden.
  3. Content-Modeling und Priorisierung – Man überlegt sich für jede einzelne Seite welche Inhalte darin vorkommen sollten und ordnet diesen Gruppen zu. Gruppe 1 sind essenzielle Inhalte ohne die die Seite keinen Sinn hätte. Gruppe 2 sind unterstützende Inhalte, die vertiefen. In Gruppe 3 kommt Verzichtbares – alles was zwar ganz nett ist, man aber auch weglassen könnte.

Atomic Piece of Content

Ziel ist es für jede Seite den wichtigsten Inhalt zu finden um den sich alles andere dreht, wie in einem Atommodell. Dafür ordnet man die einzelnen Stücke des Contents innerhalb der drei Gruppen noch einmal nach Wichtigkeit. Meistens sind die ersten beiden Inhaltsstücke in Gruppe 1 diese Atomic Pieces of Content, der essenzielle Inhalt einer Seite. Den Prozess im Detail beschrieben findet man im Podcasts The Web Ahead #57 ab Minute 7:30.

Wie geht ihr vor?

Ich selbst finde das Vorgehen des Atomic Piece of Content schon zu aufwendig um es (als Designer) selbst machen zu wollen. Hierfür braucht es (vor allem bei größeren Websites) Content Strategists, deren Aufgabenbereich genau das ist. Denn mit diesen Ergebnissen möchte ich arbeiten. Doch wie geht ihr vor? Welche Wege gibt es noch? Wie überzeugt ihr Kunden davon, dass guter Inhalt auch eine Investition ist? Ich freue mich über Kommentare!

Mehr dazu

Cinema Paradiso Baden – mein Traum wird war

Baden hat seit gestern mit dem Cinema Paradiso im ehemaligen Beethoven Kino wieder einen Ort an dem Film gespielt wird – anspruchsvoller Film. Für mich wird damit ein langjähriger Traum wahr, denn mit dem Beethoven Kino verbindet mich einiges.

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Rückblick

Vor mittlerweile über fünf Jahren schloss ich mein Studium an der New Design University St. Pölten ab. Als Diplomarbeit wählte ich die fiktive Neugestaltung meines Heimatkinos, des Beethoven Kinos in Baden. Vorbild für die gelungene Revitalisierung eines Stadtkinos war damals für mich das Cinema Paradiso in St. Pölten. Ich habe dort einige Zeit verbracht, mit Leuten geredet und mich für deren Konzept begeistert. Ich habe mir so sehr gewünscht, dass aus meinem geliebten Beethoven Kino auch so ein Programmkino wird, das Film als Kulturgut feiert, Konzerte und andere Veranstaltungen bietet.

Das Beethoven – Popcorn-Tüte (Foto: Stefan Bauer)

In meinem Design und Konzept habe ich dies dann realisiert, doch in der Realität war das damals nicht möglich. Die Constantin Film-Holding (u.a. Besitzer der Cineplexx Kinos) war seit den 1970ern Pächter des Kinos und hatte wenig Interesse mehr aus dem Standort heraus zu holen. Es wurde gegen Ende eher lieblos bespielt, das Beethoven war eher ein Mitläufer, auch wenn sich das Team vor Ort sehr engagierte. Ein kurzer Aufschwung kam noch, als es vor zwei Jahren digitalisiert wurde, doch am 6. Jänner 2013 schloss das letzte noch betriebene Kino in Baden. Ich war tief traurig. Schließlich bin ich mit dem Beethoven aufgewachsen und habe diesen Ort und seine Geschichte während meiner Diplomarbeit noch intensiver kennen und lieben gelernt.

Der Traum wird wahr

Umso glücklicher war ich, als vor ein paar Monaten verkündet wurde, dass das Kino wieder eröffnet wird – als Cinema Paradiso Baden. Da ich direkt neben dem Kino wohne konnte ich die Bauarbeiten gut mitverfolgen. Bis zur letzten Minuten wurde gearbeitet, sodass bei der Eröffnungsfeier mit einem Konzert von Richard Galliano noch der Geruch fischen Lacks in der Luft lag.

Das Kino wurde grundlegend saniert – es gibt nun eine Bar, das Foyer und die Front wurden unter anderem erneuert. Auch die Bestuhlung wurde mit Kopflehnen und Getränkehaltern aufgewertet. Und dennoch, es fühlt sich an wie mein altes Beethoven, wenn man im Saal sitzt, das opulente rote Stoffmuster betrachtet und die etwas versteckte Beethovenbüste über der Leinwand auf einen herabblickt. Es ist immer noch das Kino in dem ich aufgewachsen bin, nur jetzt wieder mit Leben, Liebe und Ehrgeiz gefüllt.

Dass mein grafisches Konzept keine Anwendung finden wird (eine potenzielle Pächterin wollte dies damals übernehmen) ist ein geringer Preis dafür, welch Bereicherung das Cinema Paradiso für Baden sein wird. Ich bin einfach glücklich und freue ich mich auf viele aufregende Stunden in meinem neuen zweiten Wohnzimmer.

Website-Briefing: Vorgehensweise und Fragebogen

Im Entstehungsprozess einer Website beginnt ein gutes Projekt mit einem guten Briefing. Das Briefing ist der Ausgangspunkt von allem und Briefing heißt: fragen, fragen, fragen. Denn erst nachdem alles notwendige erfragt wurde, können Ziele definiert und Lösungsansätze für Probleme gefunden werden.

Foto: Saimen. / photocase.com

Die Vorgehensweise beim Briefing

Der unten folgende Fragebogen ist bei mir Teil des Detailbriefings, also nachdem die Website beauftragt wurde. Beim Erstgespräch habe ich bereits die Grundlagen erfragt, ein Angebot gestellt und jetzt geht es um den Projektstart.

Ich schicke den Fragebogen etwa eine Woche vor dem Treffen per E-Mail aus. So kann sich der Kunde vorbereiten und das Meeting ist effizienter. Meistens bekomme ich schon vor dem Treffen die Antworten und ich kann mich so selbst besser vorbereiten.

Ich frage schriftlich nur die wichtigsten Dinge bei denen längere Bedenkzeit sinnvoll ist. Es macht für den Kunden oder die Kundin einen Unterschied ob 12 oder 34 Fragen zu beantworten sind. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass bei vielen Fragen die Antworten knapper oder weniger überlegt sind.

Es ist vor allem wichtig, dass der Kunde die Fragestellung versteht und nachvollziehen kann. Im persönlichen Gespräch können Bereiche noch vertieft und erläutert werden. Ergebnis des Briefinggesprächs sollte idealerweise eine Einigung in den wichtigsten Fragen sein. Die Ziele sollten definiert sein und man kann mit den notwendigen Wissen zum nächsten Schritte, zur Konzeption, übergehen.

Mein Fragebogen

In den letzten Jahren habe ich bemerkt, dass ich immer wieder ähnliche Fragen stelle und eine gewisse Systematik in meine Fragebögen gebracht. Themen wie Ziele, Zielpublikum, Struktur und Inhalte sind immer relevant, doch jede Website ist verschieden. Dieser Fragebogen ist demnach nur ein Leitfaden, je nach Projekt passe ich die Fragen an, stelle weitere oder lasse die eine oder andere weg. Und wie gesagt, ich stelle nicht all diese Fragen schriftlich.

Ziele

Eine Website ist selten einfach nur so da, jeder möchte damit irgendetwas erreichen. Klare definierte Ziele sind wichtig und dienen als Orientierung, machen Entscheidungen beurteilbar und schlussendlich Erfolge oder Misserfolge messbar.

  • Was ist das Hauptziel der Website? Was soll mit der Website erreicht werden?
  • Welche Nebenziele werden verfolgt?
  • Welche Prioritäten haben die Nebenziele zu einander?

Zielpublikum

Um gut gestalten zu können, muss man wissen an wen sich die Website überhaupt richtet. Eine Website ist oft für verschiedene Zielgruppen relevant. Oft malt man sich die möglichen Zielgruppen aus und versetzt sich in sie hinein, manchmal gibt es auch Daten dazu.

  • Welche Zielgruppen gibt es? An wen richtet sich die Website?
  • Welche Ziele verfolgen die jeweiligen Zielgruppen? Welche Information suchen sie?
  • Welche Vorteile bietet die Website den BesucherInnen?

Struktur und Inhalte

Eine Website wird nicht aufgrund ihres schönen Designs geklickt, sondern wegen des Inhalts. Qualitätsvoller, überlegter Content ist das wichtigste einer Internetseite. Dieser sollte vom Designer erfasst und verstanden werden, damit er gut strukturiert und passend gestaltet werden kann.

  • Welche Bereiche sollen auf der Website abgedeckt werden (Umfang, grobe Struktur)?
  • Welche Inhalte gibt es zu den jeweiligen Bereichen?
  • Welche dieser Inhalte sind besonders wichtig (in Bezug auf die eigenen Ziele und die der BesucherInnen)?
  • Gibt es einzigartige, besonders qualitätsvolle Inhalte, die sonst wenig verbreitet sind?

Gestaltung

„Wie soll die Website denn aussehen?“ ist eine Frage die Kunden in der Regel überfordert und dem Designer den Weg verbaut. Viel sinnvoller ist es nach Vorgaben, Wirkung, Eigenschaften und Assoziationen zu fragen, um diese dann gestalterisch interpretieren zu können.

  • Welche Gestaltungselemente gibt es bereits (Logo, Farbwelt, Typografie)?
  • Gibt es Designrichtlinien?
  • Welche Wirkung soll erzeugt werden? Wie soll das Unternehmen wahrgenommen werden?
  • Welche Eigenschaften, Schlagworte und Assoziationen sollten mit dem Unternehmen verbunden werden?

Aktuelle Website

Falls bereits eine Website vorhanden ist, sollten die damit gemachten Erfahrungswerte unbedingt in das Projekt mit einfließen. Oft kann man aufgrund einer Unzufriedenheit gute Ansätze für die Neugestaltung finden und ebenso gelungene Bereiche erhalten.

  • Was funktioniert besonders gut auf der aktuellen Website und sollte erhalten werden?
  • Wo sind die größten Schwächen der aktuellen Website? Was sollte als erstes verändert werden?
  • Welches Feedback von BenutzerInnen gibt es zur aktuellen Website (z.B. Bereiche in denen man sich nicht auskennt)?
  • Wie soll die neue Website im Vergleich zur alten wirken?
  • In wieweit ist die aktuelle Seite für die Neugestaltung relevant?

Mitbewerb

Kunden haben wertvolles Branchenwissen, das genutzt werden sollte. Sie wissen über ihren Mitbewerb bescheid, gute Ansätze der Konkurrenz, die man übernehmen könnte und Fehler, die man man vermeiden sollte.

  • Welche Mitbewerber gibt es, die Ähnliches anbieten?
  • Was macht der Mitbewerb besonders gut oder schlecht? Wo kann man von den Mitbewerbern lernen?
  • Was zeichnet das Unternehmen im Vergleich zum Mitbewerb aus?

Wie sieht euer Briefing aus?

Welche Fragen stellt ihr, wie ist euer Vorgehen und welche Erfahrung habt ihr mit dem Briefingprozess gemacht? Schreibt einfach in die Kommentare!

 

Analyse einer Website – Webdesign beurteilen

Die Analyse einer Website ist Voraussetzung und Ausgangspunkt jedes Redesigns im Entstehungsprozess einer Website. Oft gibt es bereits einen Internetauftritt und meistens gibt es damit Unzufriedenheiten. Dann bildet die aktuelle Website den Maßstab aller Veränderungen, denn schlussendlich werden die neue und die alte Seite verglichen werden.

Analyse einer Website – Foto: AllzweckJack / photocase.com
Doch auch um den Mitbewerb zu beurteilen ist es wichtig zu wissen, auf welche Gesichtspunkte man besonders achten sollte. Eine gute Analyse lässt Potentiale erkennen, aus Fehlern lernen und für die Zukunft planen.

Es gibt viele Kriterien nach denen sich eine Website beurteilen lässt. Ich möchte es hier auf die für mich wichtigsten herunterbrechen.

Drei Fragen

Wenn man eine Website besucht sollte man auf der Startseite in Mindestzeit dieses drei Fragen beantwortet bekommen:

  1. Worum geht es? – Inhalt
  2. Kann ich mich gut orientieren? – Navigation
  3. Spricht mich die Atmosphäre Website an? – Design

Da das Internet kein statisches Medium ist, ist die Interaktion mit einer Website ebenso entscheidend, sowie weiter Aspekte eher technischer Natur. Schauen wir uns die einzelnen Punkte im Detail an.

Inhalt

Die Inhalte sind der Grund warum jemand eine Website besucht und deshalb zahlt es sich aus hier richtig kritisch zu sein:

  • Sinnvolle Inhalte – Sind die Inhalt qualitätsvoll, interessant und aktuell?
  • Aufbau und Gliederung – Sind die Inhalte verständlich und logisch dargestellt?
  • Richtige Darstellung für den richtigen Inhalt – Content kann in verschiedenen Formen angeboten werden. Text, Bild, Grafik, Animation, Video, Audio, etc.. Jede Art hat ihre Vor- und Nachteile. Wichtig ist, dass die Art der Darstellung zum Inhalt passt, bewusst eingesetzt wird und dadurch einen Mehrwert erzeugt.
  • USPs – Werden Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmale deutlich vermittelt?
  • Accessibility – Sind die Inhalte barrierefrei und nach den gängigen technischen Standards gestaltet?
Homepage des Landesklinikum Baden-Mödling
Texte ohne Mehrwert: „Auf unserer Homepage erhalten Sie einen ersten, interessanten Einblick in den Spitalsalltag und viele nützliche Informationen rund um Ihren Krankenhausaufenthalt!“ auf der Startseite vom Landesklinikum Baden-Mödling.

Navigation

Gerade bei der Navigation sollte man sich auf keine Experimente einlassen. Es gibt gelernte Benutzermuster, auf die User zurückgreifen. Diese zu durchbrechen ist sehr riskant.

  • Struktur – Ist die Navigation (Haupt-, Sub-, Metanavigation, etc.) klar und logisch strukturiert?
  • Einfachheit – Ist die Navigation intuitiv und einfach zu bedienen und immer an der selben Stelle? Bekommt man schnell, direkten Zugang zu den gewünschten Inhalten?
  • Sichtbarkeit – Ist die Navigation immer sichtbar oder direkt erreichbar (z.B. bei kleineren Bildschirmauflösungen)?
  • Zugang zur Startseite – Ist es von überall aus möglich die Startseite direkt zu erreichen?
  • Seiteninterne Suche – Erhalte ich schnell und einfach Zugang zu gesuchten Inhalten?
Die Hauptnavigation des Architekturzentrum Wien ist trotz Gliederung in Gruppen mit über zwanzig Links sehr umfangreich. Dadurch wirkt sie in erster Linie überfordernd, es fällt schwer sich schnell zu orientieren.
Die Hauptnavigation vom Architekturzentrum Wien ist trotz Gruppierungen mit über zwanzig Links sehr umfangreich. Dadurch wirkt sie in erster Linie überfordernd, es fällt schwer sich schnell zu orientieren.

Design

Design ist kein Bonus sondern mit Inhalt und Navigation untrennbar verwoben. Im Idealfall gibt Design dem Inhalt und der Navigation die passende Form in einer ästhetischen und thematisch ansprechenden Art und Weise.

  • Look and Feel und Ästhetik – Welche Atmosphäre vermittelt die Website? Ist das Design ansprechend und thematisch passend?
  • Übersichtlichkeit – Sind die jeweiligen Seitenelemente (Navigation, Inhalt, Sildebar, Footer, etc.) gut gegliedert und klar unterscheidbar?
  • Typografie – Ist der Inhalt der Website ideal lesbar? Sind Schriftwahl, Zeilenlänge, Zeilenabstand und Kontrast auf einader abgestimmt?
Trotz des benutzerzentrierten Ansatzes den Preiskalkulator auf die Startseite zu stellen, lässt das überladene, unruhige Layout die aufkleber-drucken.at kompliziert erscheinen.
Trotz des benutzerzentrierten Ansatzes den Preiskalkulator auf die Startseite zu stellen, lässt das überladene, unruhige Layout die aufkleber-drucken.at kompliziert und unprofessionell erscheinen.

Interaktion

Wie sich eine Website anfühlt und bedienen lässt, hängt stark von Inhalten, Navigation und Design ab. In der Interaktion sind diese Elemente miteinander verschmolzen.

  • Bedienung und Benutzerfreundlichkeit – Wie bedient sich die Website?
  • Weg durch die Website – Kann man sich immer gut orientieren und durch die verschiedenen Ebenen der Website navigieren?
  • Call to Action – Gibt es genügend Anknüpfungspunkte von denen aus ich Aktionen setzen kann?
  • Kontakt – Ist es einfach in Kontakt zu treten?
  • Darstellung von Links – Sind Links deutlich ausgezeichnet und vom restlichen Inhalt unterscheidbar?

Weitere Aspekte

Ein paar weitere Gesichtspunkte, die ich noch für relevant halte sind eher unter der Haube versteckt, doch deshalb keinesfalls weniger relevant.

  • Standards – Ist die Website nach den gängigen W3C-Standrads programmiert?
  • Performance – Wird die Seite ausreichend schnell geladen?
  • Suchmaschinenoptimierung – Ist die Website technisch und inhaltlich für Suchmaschinen optimiert?
  • Cross-Browser-Compatibility – Funktioniert die Internetseite auf den verschiedenen gängigen Browsern?
  • Mobile friendly – Funktioniert die Website auch auf mobilen Geräten (Smartphone, Tablet) oder ist vielleicht sogar dafür optimiert?
  • Resolution Independence – Funktioniert die Seite auf verschiedenen Bildschirmauflösungen (Responsive Webdesign)?

Was haltet ihr für wichtig?

Meine Aufzählung ist bestimmt nicht vollständig. Welchen für euch wesentlichen Aspekt habe ich vergessen? Oder sollte man noch etwas zu den erwähnten ergänzen? Ich freue mich über Kommentare!

Mehr zum Entstehungsprozess einer Website.

Webdesign Schritt für Schritt – Entstehungsprozess einer Website

Kreidezeichnung eines Computerbildschirms auf Straßenasphalt, eine Hand bedient eine echte Computermaus daneben

Wie entsteht ein Website? Welche Schritte folgen auf einander? Wo passieren Fehler und wie kann man diese vermeiden? Natürlich führen viele Wege zur fertigen Website, meinen persönlichen möchte ich hier erläutern. Dieser hat sich aus den Erfahrungen der letzten Jahre als Webdesigner ergeben und hilft anderen vielleicht weiter.

Kreidezeichnung eines Computerbildschirms auf Straßenasphalt, eine Hand bedient eine echte Computermaus daneben
Mein Prozess ist nicht in Stein gemeißelt, eher mit Kreide aufgemalt, damit er laufend optimiert werden kann. In den kommenden Beiträgen werde ich auf die einzelnen Schritte im Detail eingehen. Doch zuerst einmal ein Überblick:

Drei Phasen

Ich gliedere die Geburt einer Website in drei große Phasen, die wiederum jeweils in drei Einzelschritte unterteilt sind:

  1. VorbereitungAnalyse, Briefing und Konzept
  2. Gestaltung – Contenterstellung, grafische und technische Gestaltung
  3. Umsetzung – Zusammenführen, testen, Launch

Wichtig ist, dass diese Phasen und Schritte nicht in sich abgeschlossen sind. Auf dem Weg zur fertigen Website bewege ich mich vor und zurück. Es werden manche Schritte übersprungen, andere kommen hinzu oder werden genauer gemacht. Auch die Reihenfolge kann sich ändern. Dieses Modell zeigt eine Idealsituation, die es so nur selten gibt. Es wichtig für jedes Projekt ein individuell passendes Vorgehen zu finden.

Vorbereitung

Hier wird der Grundstein von allem gelegt. Diese Phase ist wohl noch am ehesten in sich abgeschlossen, wobei es natürlich möglich ist, das im Zuge der Umsetzung auch das Konzept etwas angepasst wird.

1. Analyse

Nicht immer ist die Analyse notwendig, doch wenn es sich um das Redesign einer bestehenden Website handelt oder es um das Beurteilen der Websites der Konkurrenz geht, ist diese sehr praktisch.

2. Briefing

Das Briefing bildet den Ausgangspunkt von allem. Hier lernt man das Projekt kennen, Ziele und Zielpublikum werden definiert. Je genauer man es macht desto mehr Ärger und Fragen erspart man sich später im Prozess.

3. Konzept

Nach einem ausführlichen Briefing mit klarer Zieldefinition kann man sich an die Konzeption der Seite machen. Hier werden der Aufbau der Website mittels einer Sitemap, die Navigationsstruktur, Seitenelemente und Contentarten definiert. Das ganze wird mittels Mockups schematisch skizziert.

Gestaltung

Sobald Ziele und Konzept stehen geht es an die Gestaltung, womit nicht nur die grafische gemeint ist. Es geht um das Erstellen von Inhalten, Design und Code, den Bausteinen einer jeden Website.

4. Contenterstellung

Auch ohne das fertige Design kann und sollte mit der Erstellung des Inhalts angefangen werden. Der Inhalt ist das Wichtigste einer Website, denn wegen diesem wird sie besucht. Der Content sollte qualitativ hochwertig, sinnvoll, auf den Punkt gebracht und für Suchmaschinen optimal sein. Mit Content sind nicht nur Texte gemeint, auch Fotos, Grafiken, Videos, Audiofiles, etc..

5. Grafische Gestaltung

Anstatt gleich das Aussehen der fertige Website zu designen arbeite ich oft noch vor einem konkreten Entwurf Moodboards oder Style Tiles aus. Auf Basis dieser erstelle ich das Design der Website anhand von zwei bis drei Beispielseiten noch in Photoshop oder Fireworks. Wenn das Design freigegeben wurde wird das Grunddesign in HTML und CSS umgesetzt. Die weiteren Schritte des Designs erfolgen dann im Browser.

6. Technische Gestaltung

Schon vor der Fertigstellung des grafischen Designs kann das Content Management System (CMS) aufgesetzt werden um früh die Eingabe der Inhalte zu ermöglichen. Auf Basis des Konzepts lassen sich auch die wesentlichen Funktionen der Website programmieren. Ziel ist es bald einen klickbaren Prototyp zu haben. Das Design und die Inhalte müssen hier noch nicht vollständig vorhanden oder intergriert sein.

Umsetzung

Content, Code und Design werden vereint, getestet und die Website geht an die Öffentlichkeit. Diese Phase ist eine eigene Herausforderung, da alles auf einmal konkret wird. Vor allem den Atem zu behalten ist hier manchmal schwierig.

7. Zusammenführen

Spätestens jetzt sollten Inhalte in das CMS eingegeben und das Design optmiert werden. Fehlende Inhalte, Templates und Designelemente werden erstellt und umgesetzt. Die Website kann dabei mit dem echten Content beurteilt werden.

8. Testphase

Qualitätssicherung von Content, Code und Design. Hier werden technische Fehler (Bugs) behoben und der Text lektoriert. Im Idealfall wird die Seite von Testpersonen mit bestimmten Aufgabenstellungen durchgeklickt (Usability Testing). So wird alles so lange optimiert, bis man zufrieden ist.

9. Launch

Die Website ist bereit veröffentlicht zu werden. Vorher sollte alles noch ein letzte Mal durchgecheckt werden. Falls möglich startet man nicht vor großer Öffentlichkeit, sondern eher im Hintergrund, denn Fehler können auch hier noch passieren. Sobald die Seite online ist sollte man nach ein paar Wochen mit gesammelten Erfahrungen und Feedback schauen, was man noch verbessern sollte. Dieser Schritt ist fortlaufend. Außerdem kommen oft neue Inhalte dazu, die vielleicht wieder Anpassungen benötigen. Das Spiel spielt man so lange, bis die Website den gegeben Anforderungen nicht mehr entspricht oder schlicht visuell bzw. technisch angepasst werden muss. Dann sehen uns wieder bei Schritt 1.

Wie geht ihr vor?

Wie ist euer Prozess zur Erstellung einer Website? Welche Phase ist für euch am herausfordernsten und wo würdet ihr noch etwas ergänzen? Ich bin auf eure Kommentare gespannt!