Persönliches

Was ich als Speaker tun kann, damit mehr Frauen auf der Bühne stehen

Noch immer stehen zu wenig Frauen auf den Bühnen von Events und wir Männer sind mit schuld daran. Ich habe mich entschieden als Speaker nur noch auf Veranstaltungen mit möglichst ausgewogenem Geschlechterverhältnis zu reden. Warum ich zu diesem Entschluss kam und wie er gleich auf die Probe gestellt wurde, beschreibe ich in diesem Artikel.

Warum es mir persönlich wichtig ist, mehr Frauen als Vortragende zu sehen

Ich bin Vater von drei Töchtern und mir ist es unglaublich wichtig, dass sie weibliche Vorbilder haben, die über alle Lebensbereiche hinweg sichtbar sein sollten. Auch in (noch) männlich dominierten Branchen wie Tech. Ich halte ausgeglichene Geschlechterverhältnisse auf den Bühnen dieser Events für absolut wichtige Signale und Motivation, um eine diversere Branche zu schaffen.

Wie ich auf das Thema Sichtbarkeit von Frauen aufmerksam wurde

Das Thema Sichtbarkeit von Frauen rückte vor über acht Jahren in meinen Fokus. Damals hatte ich das Vergnügen die Website Viele Facetten zu gender- und diversityfreundlicher Mediengestaltung zu designen, hinter der Bente Knoll mit ihrem Büro für nachhaltige Kompetenz steht. Grafisch ist die Seite schon ziemlich in die Jahre gekommen, der Inhalt ist aber nach wie vor sehr aktuell und hilfreich, ein Besuch lohnt sich. Seitdem achte ich auf Dinge wie geschlechtsneutrale oder explizit weibliche Formulierungen, wie z.B. bei Berufen. Erzähle ich meinen Töchtern etwas, dann gibt es immer die Ärztin und den Arzt oder die Pilotin und den Piloten. Mir ist es wichtig das auch sprachlich in ihrem Bewusstsein zu positionieren.

Der ausschlaggebende Moment

Sigrid Neureiter und Margarita Misheva am Mediencamp Vienna 2019, Foto: Annemarie Harant

Letzten November besuchte ich am Mediencamp Vienna 2019 die Session Sichtbarkeit von Frauen in der Medienwelt, die von Sigrid Neureiter und Margarita Misheva geführt wurde. Es war eine Freude dieser spannenden Diskussion beizuwohnen und meine Essenz draus war: wenn zu wenig Frauen auf der Bühne stehen, müssen alle aktiv werden. Indem man die Veranstaltenden darauf aufmerksam macht. Immer. In der Diskussion wurde oft die Begründung erwähnt, es sei zu schwierig weibliche Vortragende zu finden. Es mag bestimmt schwieriger sein, aber nicht unmöglich. Mir fallen zu meinen Themen Design, Web und Typografie auch einige Sprecherinnen ein. Sicher, es sind weniger als Männer, aber es gibt sie und ich kenne sie.

Vortragsangebot ablehnen und Frauen empfehlen

All das hat mich nun dazu bewogen einen Entschluss zu fassen: Werde ich eingeladen auf einer Veranstaltung zu spreche, auf der deutlich weniger Frauen vortragen, lehne ich ab und empfehle eine Kollegin.

Wenige Wochen später sollte mein Entschluss auf die Probe gestellt werden. Ich wurde als Speaker zu einer Web-Konferenz in Deutschland eingeladen und das Event selbst sah mit einem breiten Themenspektrum sehr interessant aus. Doch als ich auf das Geschlechterverhältnis der Vortragenden schaute, mussten meinem Entschluss Taten folgen. Freundlich antwortete ich der Organisation:

Vielen Dank für die Anfrage! Sieht sich nach einem sehr spannenden Event aus. Jedoch habe ich für mich entschlossen, dass das Männer-Frauen-Verhältnis unter den Vortragenden möglichst ausgewogen sein sollte, wenn ich bei einer Veranstaltung rede. Bei diesem Event ist es mit 3:1 doch zu männerlastig. Deshalb lehne ich das Angebot dankend ab, jedoch nicht ohne euch zwei großartige Speakerinnen zu empfehlen.

Ich muss zugeben, dass mir das nicht leicht fiel. Ich hätte gerne auf dem Event gesprochen. Ich schreibe das jetzt nicht, um Mitleid oder besondere Anerkennung zu bekommen, aber es stimmt – es fiel mir schwer. Ich liebe es auf der Bühne zu stehen und eine Show abzuziehen, ich mag das Reisen, die Aufmerksamkeit, die Gespräche danach. Aber so sehr ich das liebe nervt es mich auch, wenn ich im Publikum sitze und fast nur Männer da vorne stehen. Und wenn ich schon gefragt werde vorzutragen, dann bin ich selbst mitschuldig daran.

Ich war etwas nervös welche Antwort darauf folgen würde, doch die Reaktion war durchwegs positiv und dankbar für die Empfehlungen, was mich in meiner Entscheidung bestätigt hat. Ein Grund warum ich diesen Artikel auch schreibe ist, damit ich aus meinem Entschluss nicht mehr raus komme. Es wird mir in Zukunft wahrscheinlich ebenfalls schwer fallen, gewisse Dinge abzulehnen und dann lese ich mir das hier einfach durch.

Ihr seid dran

Ich hoffe dieser Artikel motiviert nun andere Sprecher das selbe zu tun. Aber auch Teilnehmende, Männer wie Frauen, der Organisation zu sagen, dass zu wenig Frauen auf der Bühne stehen und immer wieder darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig ein ausgewogenes Verhältnis ist.

Und jetzt interessiert mich noch deine Sicht dazu: Hast du Tipps oder Erfahrungen mit dem Thema? Ich freue mich auf einen Kommentar!

Möchtest du als Sprecherin starten und weißt nicht wie? Ich habe meinen Prozess, als ich 2017 damit angefangen habe im Artikel Wie man als Speaker auf Konferenzen startet, Teil 1 – Die ersten Schritte beschrieben.

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