Gedanken Persönliches

Über Durchlauferhitzer und Vertrauen

Ein paar Wochen vor Weihnachten passierte das, was sie niemand zu dieser Jahreszeit wünscht: der Druchlauferhitzer in unserer Wohnung fing zu spinnen an und schaltete sich in der Früh nicht mehr automatisch ein. Stattdessen leuchteten Warnlämpchen und der Entstörungsknopf. Es dauerte, aber irgendwie konnte ich ihn wieder in Gang bringen. Da das aber keine wirkliche Lösung war, war ich gezwungen direkt bei Vaillant, dem Hersteller, anzurufen. Man schickte einen Techniker vorbei, der sich die Sache ansah. Was rauskam war, dass der Boiler eigentlich nur ein paar Kleinigkeiten hatte und es anscheinend am Abzug lag. Lange Rede, kurzer Sinn, nach einer halben Stunde suchen und herumschrauben in dem Kastel wurden mir 100,45 EUR verrechnet. Ist das nun teuer oder nicht?

Seitdem ich jetzt von September an Hardcore-Selbständig bin, muss ich sagen, dass ich die Dinge etwas anders betrachte. In den letzten paar Wochen habe ich einige Angebote potentiellen Kunden gestellt. Zwei von drei haben darauf reagiert und gemeint, dass es etwas teuer sei. Darauf war ich im ersten Moment einmal ziemlich verunsichert. Zur Gewissheit habe ich mich gleich an Freunde aus meiner Branche gewandt, die mir das Gegenteil bestätigt haben. Gutes Design hat seinen Preis. Ich verstehe, dass es für Kunden schwer einzuschätzen ist, welche Arbeit und welcher Aufwand hinter dieser abstrakten Tätigkeit liegt. Sie sehen nur einen Zahl und verstehen den Zusammenhang nicht ganz. Dabei wird ihnen mit einem Kommunikationskonzept auf Dauer viel Arbeit abgenommen, Dinge können leichter entschieden werden und schlussendlich sollte sich dadurch auch ihr Geschäft beleben.

Ich glaub viel mehr, dass es in diesem Fall um Vertrauen geht. Es sind immer Menschen, mit denen man zusammenarbeitet. Ich muss dem Installateur von Vaillant vertrauen, dass er seinen Job gut macht. Denn ich bin ihm komplett ausgeliefert. Ich verstehe nicht, was er da macht, ich könnte es nie selbst machen und noch weniger beurteilen. Sein Job ist für mich abstrakt. Das einzige, wonach ich urteilen kann, ist mein Bauchgefühlt – meint er es ehrlich mit mir, kann ich ihm vertrauen? Dieses Erlebnis hat mir gezeigt, wie sich meine Kunden fühlen könnten.

Schließlich habe ich mich dann auch mit einem meiner Kunden auf einen Preis einigen können, indem wir ein paar Leistungen herausgenommen haben. Und der Durchlauerhitzer funktioniert auch wieder. 2009 fängt also gut in einer warmen Wohnung mit neuen Aufträgen an.

2 Comments

  1. Vor ein paar Tagen war ein ehemaliger Hagenberger Student hier zu Gast und hat einen Vortrag über seine Videoproduktions-Firma gehalten. Er ist seit ein paar Jahren selbstständig und hat auch über Erfahrungen mit Kunden erzählt, den Vorteilen/Nachteilen Selbstständig zu sein etc.

    Über die eigenen Preise hat er gesagt, dass es genauso ein Problem sein kann zu billig zu sein, denn dann wirkt es so als wäre die Leistung wenig wert -> und es steckt nichts dahinter. Er hat gemeint, er hat sogar Kunden deshalb verloren, weil seine Angebote zu günstig waren. Am Wichtigsten sei es, bei den Preisen Transparenz zu zeigen, wie sie sich zusammensetzen und welcher Aufwand dahinter steckt.

    Ich glaube du weißt das eh, ist einfach mal eine Bestätigung für dich 🙂

  2. Deinen Bericht fand ich sehr interessant. Du sprichst in deinen Beitrag vieles an was sich einige denken. Was ist teuer, was günstig? Leistung und Preis und Bauchgefühl gepaart mit Erfahrung und Erfahrung und…

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