Foto: Saimen. / photocase.com
Web Design

Website-Briefing: Vorgehensweise und Fragebogen

Im Entstehungsprozess einer Website beginnt ein gutes Projekt mit einem guten Briefing. Das Briefing ist der Ausgangspunkt von allem und Briefing heißt: fragen, fragen, fragen. Denn erst nachdem alles notwendige erfragt wurde, können Ziele definiert und Lösungsansätze für Probleme gefunden werden.

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Die Vorgehensweise beim Briefing

Der unten folgende Fragebogen ist bei mir Teil des Detailbriefings, also nachdem die Website beauftragt wurde. Beim Erstgespräch habe ich bereits die Grundlagen erfragt, ein Angebot gestellt und jetzt geht es um den Projektstart.

Ich schicke den Fragebogen etwa eine Woche vor dem Treffen per E-Mail aus. So kann sich der Kunde vorbereiten und das Meeting ist effizienter. Meistens bekomme ich schon vor dem Treffen die Antworten und ich kann mich so selbst besser vorbereiten.

Ich frage schriftlich nur die wichtigsten Dinge bei denen längere Bedenkzeit sinnvoll ist. Es macht für den Kunden oder die Kundin einen Unterschied ob 12 oder 34 Fragen zu beantworten sind. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass bei vielen Fragen die Antworten knapper oder weniger überlegt sind.

Es ist vor allem wichtig, dass der Kunde die Fragestellung versteht und nachvollziehen kann. Im persönlichen Gespräch können Bereiche noch vertieft und erläutert werden. Ergebnis des Briefinggesprächs sollte idealerweise eine Einigung in den wichtigsten Fragen sein. Die Ziele sollten definiert sein und man kann mit den notwendigen Wissen zum nächsten Schritte, zur Konzeption, übergehen.

Mein Fragebogen

In den letzten Jahren habe ich bemerkt, dass ich immer wieder ähnliche Fragen stelle und eine gewisse Systematik in meine Fragebögen gebracht. Themen wie Ziele, Zielpublikum, Struktur und Inhalte sind immer relevant, doch jede Website ist verschieden. Dieser Fragebogen ist demnach nur ein Leitfaden, je nach Projekt passe ich die Fragen an, stelle weitere oder lasse die eine oder andere weg. Und wie gesagt, ich stelle nicht all diese Fragen schriftlich.

Ziele

Eine Website ist selten einfach nur so da, jeder möchte damit irgendetwas erreichen. Klare definierte Ziele sind wichtig und dienen als Orientierung, machen Entscheidungen beurteilbar und schlussendlich Erfolge oder Misserfolge messbar.

  • Was ist das Hauptziel der Website? Was soll mit der Website erreicht werden?
  • Welche Nebenziele werden verfolgt?
  • Welche Prioritäten haben die Nebenziele zu einander?

Zielpublikum

Um gut gestalten zu können, muss man wissen an wen sich die Website überhaupt richtet. Eine Website ist oft für verschiedene Zielgruppen relevant. Oft malt man sich die möglichen Zielgruppen aus und versetzt sich in sie hinein, manchmal gibt es auch Daten dazu.

  • Welche Zielgruppen gibt es? An wen richtet sich die Website?
  • Welche Ziele verfolgen die jeweiligen Zielgruppen? Welche Information suchen sie?
  • Welche Vorteile bietet die Website den BesucherInnen?

Struktur und Inhalte

Eine Website wird nicht aufgrund ihres schönen Designs geklickt, sondern wegen des Inhalts. Qualitätsvoller, überlegter Content ist das wichtigste einer Internetseite. Dieser sollte vom Designer erfasst und verstanden werden, damit er gut strukturiert und passend gestaltet werden kann.

  • Welche Bereiche sollen auf der Website abgedeckt werden (Umfang, grobe Struktur)?
  • Welche Inhalte gibt es zu den jeweiligen Bereichen?
  • Welche dieser Inhalte sind besonders wichtig (in Bezug auf die eigenen Ziele und die der BesucherInnen)?
  • Gibt es einzigartige, besonders qualitätsvolle Inhalte, die sonst wenig verbreitet sind?

Gestaltung

„Wie soll die Website denn aussehen?“ ist eine Frage die Kunden in der Regel überfordert und dem Designer den Weg verbaut. Viel sinnvoller ist es nach Vorgaben, Wirkung, Eigenschaften und Assoziationen zu fragen, um diese dann gestalterisch interpretieren zu können.

  • Welche Gestaltungselemente gibt es bereits (Logo, Farbwelt, Typografie)?
  • Gibt es Designrichtlinien?
  • Welche Wirkung soll erzeugt werden? Wie soll das Unternehmen wahrgenommen werden?
  • Welche Eigenschaften, Schlagworte und Assoziationen sollten mit dem Unternehmen verbunden werden?

Aktuelle Website

Falls bereits eine Website vorhanden ist, sollten die damit gemachten Erfahrungswerte unbedingt in das Projekt mit einfließen. Oft kann man aufgrund einer Unzufriedenheit gute Ansätze für die Neugestaltung finden und ebenso gelungene Bereiche erhalten.

  • Was funktioniert besonders gut auf der aktuellen Website und sollte erhalten werden?
  • Wo sind die größten Schwächen der aktuellen Website? Was sollte als erstes verändert werden?
  • Welches Feedback von BenutzerInnen gibt es zur aktuellen Website (z.B. Bereiche in denen man sich nicht auskennt)?
  • Wie soll die neue Website im Vergleich zur alten wirken?
  • In wieweit ist die aktuelle Seite für die Neugestaltung relevant?

Mitbewerb

Kunden haben wertvolles Branchenwissen, das genutzt werden sollte. Sie wissen über ihren Mitbewerb bescheid, gute Ansätze der Konkurrenz, die man übernehmen könnte und Fehler, die man man vermeiden sollte.

  • Welche Mitbewerber gibt es, die Ähnliches anbieten?
  • Was macht der Mitbewerb besonders gut oder schlecht? Wo kann man von den Mitbewerbern lernen?
  • Was zeichnet das Unternehmen im Vergleich zum Mitbewerb aus?

Wie sieht euer Briefing aus?

Welche Fragen stellt ihr, wie ist euer Vorgehen und welche Erfahrung habt ihr mit dem Briefingprozess gemacht? Schreibt einfach in die Kommentare!

 

2 Comments

  1. Hallo Oliver

    Ohne ein Briefing, das aussagekräftig ist, kann ich heute keine Aufträge mehr ausführen. Mit einem Briefing werden von Anfang an klare Richtlinien gesetzt und Missverständnisse vorgebeugt.

    Grüsse aus der Schweiz
    Silvester

  2. Hallo Oliver

    Bin gerade selber dabei so ein kleines Web-Studio zu gründen (bisher Freelancer).
    So bin ich hier auf deinen Artikel gestoßen! Kann da auch meinem Vorsprecher nur zustimmen.
    Egal wie klein oder groß der Auftrag ist: ein Briefing ist die Basis um überhaupt arbeitsfähig zu sein! Alle Beteiligten haben eine gemeinsame Basis auf der umgesetzt wird mit Aufgaben, Zeitfenster und so weiter.
    Ein sehr guter Artikel zu diesem gerade vom (KMU-)Kunden oft hinterfragten Thema.

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