Mit Baby verreisen, Teil 3: Das Resümee

Die erste große Reise

Durch die USA und Kanda mit unserer neun Monate alten Tochter Nila. 5.200 km in fünf Wochen im Camper Van. Es war eine schöne und erinnerungswürdige Zeit und natürlich gab es auch Momente, die im Nachhinein besser hätten sein können. In Teil 1 und Teil 2 habe ich über die Vorbereitungen und den Alltag auf Reisen erzählt. Hier ziehe ich nun ein Resümee über unser kleines Abenteuer und zeige zum Abschluss in einem kleinen Film wie Nila das Ganze aus Nilas Blickwinkel ausgesehen haben mag.

Ernüchterung am Weg

Auch wenn es im Kopf klar war, verinnerlicht hatten wir es nicht, dass zu dritt verreisen auch immer zu dritt sein bedeuten würde. Daheim haben wir, wenn Nila unter Tags und Abends schläft oder wir uns aufteilen, jeweils Zeit für uns selbst oder als Paar. Am Wochenende geben wir Nila häufig für ein paar Stunden an ihre Großmutter ab. Das alles fiel natürlich auf Reisen weg – wir waren einfach immer beisammen, denn Aufteilen war nicht wirklich möglich, da wir ja gemeinsam Urlaub machten.

Nach etwa zehn Tagen unterwegs fiel und das so richtig auf. Das Irritierende war, dass der Unterscheid vom Reisen zu zweit nicht so groß war aber dennoch deutlich. Mit einem Baby müssen wir zwar nicht für „Kinderprogramm“ sorgen, können die Tour machen die wir wollen, doch gewisse Dinge sind nicht mehr möglich. So pflegeleicht Nila auch ist (sie ist das beste Baby), ihr fällt immer ein fixer Anteil an Aufmerksamkeit zu. Geht es ihr eh gut? Hat sie Hunger? Wann haben wir das letzte Mal gewickelt? Wo könnten wir stehen bleiben, damit sie ein bisschen am Boden herumkrabbeln kann?

Birgit und Nila im Gras im Harvard Yard
Birgit und Nila im Gras im Harvard Yard

Und natürlich konnten wir auch nicht planen wann sie genau schlafen würde und wir dann Zeit für uns zum Lesen oder Plaudern haben würden. Meistens schlief sie im Auto während der Fahrt, manchmal in der Stadt im Kinderwagen. Am Anfang machte ich mir dann großen Stress genau jetzt ein nettes Café zu finden, wo wir Zeit verbringen könnten und das funktionierte nie.

Die langsamen Momente finden

Es hat etwas gedauert wirklich zu akzeptieren, dass es anders ist mit Baby zu reisen. Doch als wir das dann geschafft haben war es sehr schön und hatte eine andere Qualität der Langsamkeit. Dann haben wir es geschafft uns wirklich auf die Moment einzulassen und nicht zu hoffen alles auf einmal haben zu können. Uns immer wieder daran zu erinnern war eine konstante Herausforderung.

Nila und ich mit Kinderwagen im High Line Park New York
Im High Line Park, New York City

Was wir aber auch bald lernten: Spontan ist ein schlechter Plan. Fast jedes Mal als wir versuchten wie früher in eine Gegend zu fahren, ohne wirklich zu wissen, was dort interessant sein könnte oder was es dort zu unternehmen gibt, ging das schief. Es endete fast immer damit ewig ein Restaurant oder ein Café zu suchen, im Stau zu stecken und einfach schließlich damit viel zu lange im Auto zu sein. Nila hielt viel und lange aus, aber irgendwann war sie auch an ihren Grenzen. Wir lernten so uns kleine Ziele vorzunehmen, uns immer ein wenig zu informieren oder an Orten zu bleiben, die uns gefielen, anstatt weiter zu fahren in der Hoffnung, dass noch etwas besseres kommen würde.

Kinderfreundliche Amerikaner

Was uns besonders auffiel waren die überaus kinderfreundliche Einstellung der Amerikaner und Kanadier. Beide Länder sind sehr familienfreundlich ausgerichtet. Das merkt man einerseits an der Infrastruktur (auch auf vielen Herrentoiletten finden sich Plätze zum Wickeln) aber vor allem an der Haltung der Menschen. Kaum jemand hat uns nicht angelächelt, weil wir mit einem Kind unterwegs sind. Ständig hörten wir Kommentare wie hübsch Nila nicht sei, „Look at those eyes!“ oder wurden bevorzugt behandelt, weil wir ein kleines Kind dabei hatten. Wir hatten uns schon so daran gewöhnt, dass es ein herber Wechsel war wieder in Österreich angekommen zu sein.

Damit sich Nila immer daran erinnern wird

Nila wird diese große Reise nicht mehr in Erinnerung haben, wenn sie groß ist. Damit sie außer unseren Erzählungen einen Anknüpfungspunkt haben wir, haben wir diesen Film für sie gemacht, der zeigt wie sie unser erste Abenteuer als Familie erlebt hat.

Damit endet mein Bericht unserer Reise. Wie immer freue ich mich über Kommentare und Erfahrungen, falls ihr ähnliches erlebt habt oder plant!

Weitere Blog-Beiträge zu unserer Reise:

Mit Baby verreisen, Teil 1: Die Vorbereitungen
Mit Baby verreisen, Teil 2: Im Camper durch die USA und Kanada

Drei Tage mit Baby gestrandet am JFK – Austrian & Lufthansa kümmert das wenig

 

 

Oliver
Ich bin Grafik- und Kommunikationsdesigner, arbeite selbständig und als Freelancer. Dabei gestalte ich Logos, Corporate Designs, Visitenkarten, Broschüren, Flyer und alles was so gestaltet werden will.

9 Kommentare

  1. Hallo zusammen,
    so ein interessanter Bericht und ein tolles Video! Ich bin durch Zufall auf diese Seite gestoßen, da mein Mann, meine Tochter und ich eine ähnliche Reise planen.

    Wir fliegen am 01.07.16 von Frankfurt a.M. nach Vancouver und sind dort 4 Wochen mit einem Truck-Camper unterwegs. Hauptsächlich durchqueren wir British Columbia und diverse Nationalparks. Ich bin sehr gespannt wie es wird, denn unsere Tochter ist gerade 10 Monate alt.
    Wir freuen uns sehr auf die Reise und durch diesen Bericht geh ich etwas entspannter an die ganze Sache heran 🙂

    Liebe Grüße, Melanie & family

  2. Liebe Melanie, freut mich, dass dir mein Reisebericht Gelassenheit bringt 🙂 Im Moment befinden wir uns schon auf der nächsten Reise auf Antiparos auf den Kykladen. Nila ist ein Jahr älter und die Vorraussetzungen auch wieder anders. Eine schöne Reise und viele Grüße!

  3. Hallo,
    ein sehr schöner Bericht und vor allem ein sehr süsses Video für und von Nila =)

    Wir werden Mitte Juli auch mit unserer dann 9 Monate alten Tochter durch Kanada (British Columbia) reisen und ich bin schon sehr gespannt wie unsere erste große Reise zu dritt wohl werden wird.
    @Melanie: Mit welchem Truck-Camper seid ihr unterwegs und welche Route werdet ihr einschlagen?

    Viele Grüße

  4. Huhu,
    wir werden mit einem TC-A unterwegs sein und grob gesagt folgende Route nehmen:
    Vancouver – Banff – Jasper – Vancouver Island – Vancouver

    Toll das noch andere dieses Abenteuer mit Baby wagen 🙂
    Startet ihr Mitte Juli auch ab Vancouver? Wie werdet ihr unterwegs sein und vor allem wie lange?

    Liebe Grüße, Melanie

  5. Hallo,
    wir werden erst 2 Wochen in Vancouver sein, da mein Mann dort beruflich zu tun hat und dann 2,5 Wochen mit dem Camper unterwegs sein. Am liebsten würden wir natürlich auch bis Banff und Jasper fahren, sind uns allerdings nicht sicher, ob die Strecke ggf doch zu weit ist. Vancouver Island würden wir dann leider auslassen.
    Bei welchem Vermieter habt ihr den Camper gemietet? Ich frage so direkt nach, weil wir gerade am recherchieren sind, ob dort ein Maxi Cosi reinpasst und es sich somit lohnt diesen von zu Hause mitzunehmen. Wie werdet ihr das machen?

    Viele Grüße

  6. Hallo Oliver,
    ich bin ab Oktober Mama und hatte aufgrund der schon eingesetzten Schlaflosigkeit heute Nacht Zeit, mir alle deine Kanada/USA Berichte und Videos anzusehen 🙂 . Großes Lob! Mein Mann und ich wollten schon immer einmal nach Kanada reisen und haben uns gedacht, dass der Zeitraum zwischen den 2 Wunschkindern dafür bestimmt gut geeignet ist. Die Berichte haben definitiv geholfen, den Gedanken weiter zu verfolgen 🙂

  7. Liebe Claudia, das freut mich sehr! Ich wünsche euch eine tolle Zeit in Kanada, solltet ihr euch entscheiden das kleine Abenteuer zu starte!

  8. Hallo Oliver,

    wir sind total begeistert von eurem Kurzfilm über Nilas Zeit in Canada. Da steckt bestimmt unendlich viel Arbeit hinter, bis es so geworden ist. Um ehrlich zu sein haben wir uns euer Video immer wieder angeschaut und als Anregungen genommen für unsere Elternzeitreise in Australien. Dort waren wir zwei Monate mit dem Wohnmobil unterwegs. Wir haben mit der Go pro unendlich viele Kurzfilme gedreht und würden gerne, wie ihr, ein best off daraus erstellen. Nur leider sind wir nicht vom Fach und deswegen wollte ich mal fragen, was man benötigt, um die Flut an Filmen zu bewältigen und einen Kurzfilm daraus zu machen. Reicht die GoPro App oder benötigt man weitere Programme? Viele Grüße Julia

  9. Liebe Julia,

    freut mich, dass dir unser Film gefällt! Das Problem mit dem Überangebot an Videomaterial kenn ich, deshalb haben wir im Vorfeld ein ungefähres Konzept gehabt, was wir erzählen möchte und was wir dafür filmen sollten. So hast sich das Material in Grenzen gehalten. Bei unserer letzten Reise jetzt habe ich es aber auch ohne Plan gemacht und da hilft leider nur: Material sichten. Alles einmal genau anschauen, Notizen machen, doppeltes oder zu ähnliches gleich löschen und dann damit schneiden. Als Programm habe ich mit Adobe Premiere gearbeitet, da wir auch so Filme machen ist mir das vertraut. Wie es mit der GoPro App alleine ist weiß ich nicht. Es gibt aber auch iMovie von Apple das glaub ich ganz gut ist für so kleinere Filme und nicht allzuviel Wissen voraussetzt. Hoffe das hilft dir weiter!

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